Drew Houston war schon in der Schule einer der wenigen Kinder, die wussten was sie einmal werden wollten. Nicht Feuerwehrmann, nicht Rennfahrer… Bei der obligatorischen Frage in seiner Schule war er der einzige der 250 Anwesenden, die aufgezeigt haben und seine Antwort war klar: ich möchte ein Computer-Unternehmen leiten. Übringens hat der Lehrer gar nicht nachgefragt, denn er wollte nur zeigen, dass kaum jemand klare Pläne hat. Klein-Drew war sehr enttäuscht, dass er seine Antwort nicht geben durfte.

Nach Beendigung von High School und College gab es nur die Alternative in Start-Ups zu arbeiten. Sein sechstes hieß: Dropbox. Der MIT-Zögling bekam die Idee im Sommer 2006 auf einer Busreise nach New York. Er hatte seinen USB-Memory Stick vergessen und konnte auf der ganzen Fahrt nicht am Programmiercode einer anderen Idee weiterarbeiten. Sofort begann er eine Technologie zu entwickeln, die Daten mit dem Web synchronisiert und vier Monate später präsentierte er seine Idee dem legendären Gründer des Accumulators Y-Combinator, Paul Graham.

Graham bestand darauf, das er sich einen Co-Gründer suchen sollte und die Wahl fiel auf seinen MIT-Kollegen Arash Ferdowski, einen Sohn iranischer Immigranten. Im Y-Combinator Archiv gibt es ein tolles Bild der beiden Jünglinge, wie sie in braunen Hoods mit ihrer ersten Unterstützung von 15.000 Dollar begannen, und perfektionistisch eine Plattform zur Synchronisation von Texten, Fotos, Filmen etc. die auf PCs, Laptops, Mobilgeräten usw. gespeichert waren entwickelten. Damals steckte die Cloud noch in Kinderschuhen und niemand kam auf die Idee oder hatte den Mut, unterschiedliche Betriebssystem-Daten auszutauschen und verfügbar zu machen. Grundsätzlich war man schon froh, wenn die alten Word-Dateien mit der neuen Word-Versionen unproblematisch liefen – und die beiden Burschen wollten dies systemübergreifend machen?

Die beiden und ihr kleines Team – in 2008 hatten sie neun Angestellte und 200.000 Nutzer – wollten dabei auch lean bleiben: in 2011 hatten Sie ihre Mitarbeiterzahl auf 14 erhöht – und die Kundenzahl verdoppelt! Das Problem war also für die Kunden gegeben und die Kommunikation der Lösung war denkbar einfach: die Webseite begann mit einem kleinen, lustigen Comicfilm der den Nutzen und die Anwendung von Dropbox verdeutlichte – bis heute das schlagkräftigste Marketing-Investment des Unternehmens!

Sie sparten ihr ganzes Werbegeld und gaben jedem Kunden 250 MB freien Speicherplatz, wenn er einen weiteren Kunden empfiehlt. Bis heute kommen 25% aller neuen Kunden über diesen Weg!

Überhaupt ist es beeindruckend wie gut fundiert das Geschäftsmodell von Dropbox von Beginn an war. Von Beginn an waren 96% der Kunden nicht-zahlende Nutzer des Service (bis 2 GB), aber 4% nutzten die Zahlversion von 10 Dollar, um bis zu 50 GB Speicherplatz zu erhalten. Da Dropbox bereits 2011 50 Millionen-User hatte, spielte das Freemium/Premium-Spiel bereits 50 Millionen Dollar Umsatz ein – genug um bei 14 Mitarbeitern profitabel zu sein. Und dann begannen die ersten sogar auf die 100 GB-Version für 20 Dollar hoch zu wechseln. Mit heute über 300 Millionen Nutzern wird der Umsatz schon nahe an 500 Million Dollar liegen – und eben erst beginnt Dropbox sich für Unternehmen zu öffnen!

Die gute operative Situation führte zur ungewöhnlichen Situationen. Erst will Steven Jobs das Unternehmen in 2009 erwerben, aber die Partner lehnen das hohe Angebot ab. Als Reaktion startert er in seiner letzten großen Keynote-Präsentation iCloud mit dem Ziel, Dropbox in den Hintergrund zu drängen (was bis heute nicht gelungen ist). Houston geht in den Kampfmodus, optimiert weiter sein Angebot. In

Die beiden Gründer während eines Y-Combinator Workshops

einer einmaligen Aktion lädt er die sieben führenden Venture-Unternehmen ein und gibt Ihnen vier Tage um ein Angebot zu platzieren (ein VC stellt es bereits am nächsten Tag zu!). Alle Unternehmen geben Angebote ab und Houston entscheidet sich für Index Ventures, die wiederum andere Anbieter wie Sequoia, Benchmark und Goldman Sachs einbinden. Ergebnis der Finanzierungsrunde: 250 Million Dollar bei einer 4 Mrd. Dollar Bewertung.

Und auch emotional läuft es optimal trotz des steigenden Wettbewerbs von Apple, Google oder Amazon: „Dropbox Me“ wird ein festes Verb, die Black Eyed Peas komponieren gemeinsam mit David Guetta ihr Lied „I gotta Feeling“ mithilfe von shared Dateien auf Dropbox, die Rettungsaktion in Haiti läuft größtenteils auf der Dropbox-Plattform und die weltgrößten Architekten teilen ihre neuesten Entwürfe mit ihrern Kunden über Dropbox!

Wo geht die Reise hin, was kann Dropbox mit seiner gefüllten Geldschatulle sinnvolles anstellen? Ein Teil geht in die Speicherkapazitäten, um das Wachstum schnell zu realisieren. Ebenso werden mit führenden Hardwareherstellern wie HTC Verträge gemacht, um die Standard-Einrichtung auf Mobiltelefonen, PCs und im TV zu werden. Der Bereich Dropbox for Business wird aufgebaut und hunderte Entwickler ausserhalb der Organisation entwerfen Apps für Dropbox. Damit wird der Speicheranbieter zur eigenen Plattform! Ebenso gibt es Kooperationsansätze mit Facebook und Pläne für einen Börsengang. Und da ist noch die große Vision von Drew Houston: „Your data follows you wherever you are!“

Drew Houston zeigt an der eigenen Entwicklung, dass sein berühmtestes Zitat Wirklichkeit geworden ist: „Don`t worry about failure. You only have to be right once“.